Erdogan: „John Bolton hat einen schweren Fehler begangen…“ Türken sollten Schutz der Kurden in Syrien garantieren

US-Sicherheitsberater John Bolton - Bild von Gage Skidmore, Flickr.com CC BY-SA 2.0

Der US-Sicherheitsberater John Bolton machte letzte Woche noch einmal klar, dass die kurdische YPG-Miliz Verbündete im Kampf gegen den IS sind und dass die Türkei nach Abzug der US Truppen deren Sicherheit zu garantieren hätten. Erdogan warf Bolton darauf hin vor, einen schweren Fehler begangen zu haben. Wie Weltfremd ist die Trump-Administration eigentlich? Als Trump sagte „It’s al yours…“ warnte ich vor diesem Dilemma…
Rui Filipe Gutschmidt – 11. Januar 2019
Der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdogan kritisierte die Aussage des US-Amerikanischen Sicherheitsberaters John Bolton, der den Türken die Verantwortung für die Sicherheit der mit den USA verbündeten Kurdenmiliz YPG nach dem US-Truppenabzug überlassen wollte. So sagte Erdogan, dass es ein „schwerer Fehler“ sei, eine solche Forderung an die Türkei zu stellen. „Es ist uns nicht möglich die Aussage von Bolton zu akzeptieren.“
Denn seit dem Erdogan und seine AKP die Türkei regieren, ist das Verhältnis des türkischen Staates zur kurdischen Minderheit wieder auf das Konfliktniveau zurückgefallen, dass einst die Gründung der PKK und den bewaffneten Widerstand hervorgerufen hat. Der Friedensprozess, den die Türkei zuvor mit dem inhaftierten Kurdenführer Abdullah Öcalan begonnen hatte, starb mit Erdogans Amtsantritt.
Die Autonomie des kurdischen Nordirak, der sich faktisch für unabhängig erklärt hat und der Krieg in Syrien, in dessen Norden es die kurdische YPG ist, welche mit ihrem Blut ein Vordringen des Islamischen Staates (IS) verhindert haben, sind den Türken ein Dorn im Auge.
Da die USA – und so ziemlich jeder – genau wissen, welche Pläne die Türken in Bezug auf den Norden Syriens haben, kann man den angekündigten Rückzug der US-Truppen und die provokative Aussage von John Bolton nur als Theaterstück bezeichnen. Auch der Tweet von Donald Trump, bei dem er den Beteiligten versichert, dass die US-Armee erst abzieht, nach dem „die IS-Terroristen endgültig besiegt“ seien, ist ein Akt in diesem Stück. Denn begann die ganze Polemik nicht mit Trumps Ankündigung des „endgültigen Sieges“?
Anscheinend hat Trump den Mund wieder einmal zu voll genommen und jetzt mussten die Amerikaner improvisieren. Die Wähler daheim wollen keine toten Soldaten, die Kurden wollen ihr Blut nicht umsonst vergossen haben, die Türken wollen kein unabhängiges Kurdistan, welches Anspruch auf die Südost-Türkei erheben könnte und Syrien will einfach nur die Integrität seiner Grenzen wieder haben. Russland, Iran, Saudi-Arabien, Israel, Frankreich, die EU, Libanon und verschiedene Fraktionen in Syriens Chaoskrieg, haben nochmals andere Ziele und alle wollen aus dem Kriegschaos als Gewinner hervorgehen.
So wirbelt die Trumpadministration jede Menge Staub auf und am Ende werden wieder Menschen sterben, viel Blut fließen und Tausende werden aus der Region fliehen, in die eigentlich schon die ersten Rückkehrer unterwegs waren. Keine Mauer der Welt wird die Kurden vor der türkischen Armee schützen und alle Twittersprüche von Mr. President werden ErdoWahn nicht von einem Einmarsch in Nordsyrien abhalten. Nur ein verbindlicher Beschluss des UN-Sicherheitsrats kann diese Region stabilisieren und den dringend benötigten Frieden bringen!
Passend zum Thema:

„It’s al yours…“ Donald Trump zieht seine Truppen in Absprache mit Erdogan aus Syrien ab

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