Washington zerstört sich die Dollar-Dominanz selbst

Us Dollar Pixabay CC0 Public Domain

Noch spielt der US-Dollar global die wichtigste Rolle im Zahlungsverkehr, doch der Einsatz der Währung als Waffe durch Washington sorgt für die Selbstdemontage. 
Marco Maier – 20. April 2019
Geld ist nur so lange gut, wie es auch Vertrauen in dessen Funktion als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel gibt. Wo dies nicht mehr gegeben ist (z.B. zuvor in Zimbabwe oder nun in Venezuela), gibt es irgendwann keinen Platz mehr für die Nullen. Diese müssen drangehängt werden, weil die Preise täglich, wenn nicht gar stündlich explodieren. Andere Währungen (wie z.B. der US-Dollar, der Euro, der Schweizer Franken oder das Britische Pfund) weisen hingegen eine vergleichsweise geringe Inflationsrate auf. Sie werden in vielen Ländern auch neben der lokalen Währung als Zahlungsmittel akzeptiert.
Dabei nimmt der US-Dollar natürlich eine herausragende Stellung ein. In Ecuador ist die US-Währung sogar amtliches Zahlungsmittel und in anderen Ländern kann man damit überall bezahlen, wird aber in der jeweiligen nationalen Währung sein Wechselgeld bekommen. Eine Rolle, die der Euro nur sehr begrenzt einnimmt.

Der US-Dollar bestimmt die Märkte

Auch im internationalen Zahlungsverkehr und auf vielen Gütermärkten bestimmt der Dollar das Geschäft. Die Preise für Erdöl, Weizen, Kupfer & Co werden grundsätzlich in der US-Währung festgelegt. Auch die Entwicklungs- und Schwellenländer kommen nicht darum herum, Kredite in US-Dollar aufzunehmen und entsprechende Währungsreserven zu halten. Immerhin müssen sie ihre Importe zumeist mit Dollars bezahlen. Der Grund: deren eigenen Währungen werden zumeist nicht akzeptiert.
Doch das vom US-Dollar dominierte System beginnt immer stärker zu wanken. Einerseits, weil sich gerade die ärmeren Länder nicht ständig dem Wechselkursrisiko ausgesetzt sehen wollen, andererseits sorgt auch die US-Sanktionspolitik für ein Umdenken. So ist es beispielsweise verboten, mit dem Iran in US-Dollar handel zu treiben. Deshalb greift dieser auf Euro zurück und beginnt, Geschäfte mit Russland, China und anderen Ländern zunehmend auf Basis der nationalen Währungen durchzuführen. Auch China und Russland setzen zunehmend auf Geschäfte ohne Involvierung des US-Dollars.
Und es werden immer mehr Länder, die sich vom Dollar (partiell) abwenden und andere Lösungen suchen. Mit ein Grund dafür ist der Einsatz des Dollars als „finanzielle Massenvernichtungswaffe“ durch Washington. Nicht nur bei Handelskriegen oder Währungskriegen. Auch die Verursachung von Hyperinflation, Bank-runs und innere Unruhen in den Zielländern zum Zwecke des Regime Changes gehören dazu. Washington kann Regierungen zu Fall bringen, auch ohne einen einzigen Schuss abgeben zu müssen. Das weiß man auch in den Regierungen rund um den Erdball.

Washington schießt sich selbst ins Knie

Damit jedoch schießt sich Washington nur selbst ins Knie, weil der US-Dollar nur infolge der globalen Dominanz überhaupt noch einen „Wert“ besitzt. Rein auf den US-Daten basierend mit exorbitant hohen Staatsschulden und einem extremen Ungleichgewicht beim Außenhandel müsste der Außenwert längst schon deutlich nach unten korrigiert werden. Lediglich die Internationalisierung des Dollars hält die US-Währung überhaupt noch oben.
Das jedoch könnte in absehbarer Zeit ein Ende finden. Selbst die Saudis drohen inzwischen damit, ihr Öl nicht mehr in Dollar verkaufen zu wollen, was zu einem Ende des „Petrodollars“ führen würde und auch das globale Vertrauen in die US-Währung erschüttern würde. Und manchmal richten sich (auch finanzielle) Waffen gegen jenen, der sie ständig abfeuert.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*