Stierkämpfer angeklagt wegen Tierquälerrei – Windhunde waren nur noch Haut und Knochen

Volkskorrespondent Rui Filipe Gutschmidt – 14. Januar 2022

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Rui Filipe Gutschmidt

Der berühmte portugiesische Cavaleiro João Moura
wurde wegen siebzehn Fällen der
Tierquälerei und einem Fall der schweren Tierquälerei (mit Todesfolge) angeklagt. Im Februar 2020 wurden, von einem Grundstück des Angeklagten, achtzehn völlig abgemagerte Windhunde gerettet, von denen einer leider starb. Der Fall zeigt wieder einmal die Mentalität der sogenannten „Aficionados“, die in einer Umgebung aufwachsen, in der das Quälen von Tieren als normal gilt.

Im Februar 2020 durchsuchte die GNR (militarisierte Polizei) ein Grundstück von João Moura in Monforte, im Bezirk Portalegre, und rettete 18 Windhunde, die „in Pferdeboxen eingesperrt waren. Zwei bis fünf Tiere pro Box, ohne jegliche Utensilien für die Versorgung mit Nahrung oder Wasser.

„Die Räume, in denen sie untergebracht waren, hatten eine große Ansammlung von Exkrementen von vielen Tagen“ und die Hunde hatten „keinen trockenen und weichen Platz zum ruhen, schliefen auf dem Zement und auf den angesammelten Exkrementen“, beschreibt der Bericht der Nachrichtenagentur Lusa, der ergänzend hinzufügte, dass alle Hunde Wunden oder Prellungen und Infektionen hatten, die durch Parasiten verursacht wurden. Auch hatten einige Krankheiten, ohne „Anzeichen einer Behandlung“. Am Tag des Polizeieinsatzes starb eine fast achtjährige Hündin. Die übrigen Tiere „entwickelten sich schnell und günstig“, zeigten „großen Appetit“ und verbesserten „ihren Allgemeinzustand“, nachdem sie von dem Grundstück des „Cavaleiros“ entfernt und aufgenommen worden waren.

Mouras Windhunde bei der Befreiung. Bild: Silvio M., Quelle: YouTube

Jetzt wird der Stierkampfreiter wegen 17 Verbrechen der Misshandlung von Haustieren und eines Verbrechens der besonders schweren Misshandlung von Haustieren angeklagt, wobei die Staatsanwaltschaft der Ansicht ist, dass João Moura, anstatt den Tieren „Gesundheitspflege, Ernährung und Hygiene zu bieten“, „sie grausam behandelte, da er wusste, dass sein Verhalten ihnen Verletzungen, Schmerzen, Hunger, Durst, Unbehagen und folglich Leiden verursachte“.

Der Tierschutzverein SOS-Animal zeigt sich glücklich über die Anklage, hält die Verzögerung des Verfahrens aber für „unglaublich“. „Ich denke, dass die portugiesische Öffentlichkeit nichts anderes als eine Verurteilung tolerieren wird, weil die Beweise eklatant sind und „die Begründungen (Ausreden)“ des Stierkämpfers „lächerlich waren“, sagte die Präsidentin des Verbandes, Sandra Cardoso, gegenüber der Nachrichtenagentur Lusa. SOS-Animal kritisiert auch, dass einige Hunde, die „der städtische Tierarzt für „angemessen“ hielt, auf dem Grundstück belassen wurden, weil er nicht sah, dass sie in Gefahr waren“. Desweiteren gäbe es Informationen, dass auf dem Anwesen von João Moura „weiterhin Hunde kommen und gehen.“ Greyhounds würden verkauft und getauscht. Business as usual…

SOS-Animal argumentiert, dass die Staatsanwaltschaft „die Unterbringung von Tieren auf dem Hof bis zum Abschluss des Verfahrens nicht erlauben hätte dürfen. Die Tierschützer erwarten, dass die gegen den Stierkampfreiter zu verhängende Strafe „das ewige Verbot Tiere zu halten umfasst, weil der Fall gezeigt hat, dass er als Tierhalter ungeeignet ist“. Zum Zeitpunkt der Verhaftung von João Moura bezeichnete ihn der Züchterverband als „größten Windhundzüchter des Landes“ und „einen der wichtigsten Förderer des Hunderennens in Portugal“. Die Ironie in diesen Worten ist nicht zu übersehen.

Jeder halbwegs normale, einfühlsame und moralisch veranlagte Mensch kann über solche Menschen nur den Kopf schütteln. Damit meine ich nicht den vermeintlich psychopathisch veranlagten „Toureiro“ João M., sondern die Menschen, die Hunderennen und Stierkampf für etwas normales, ja gar etwas „glorreiches“ halten und einen der Tierquälerrei angeklagten … hmmm, Menschen(?) … als bewundernswert bezeichnen. Was ist blos los in diesem Teil der portugiesischen Gesellschaft, die sich am Leid von Tieren (Stiere) ergötzen, beziehungsweise die Verletzungen von Pferden (Stierkampf) oder Hunden (Windhundrennen) billigend in Kauf nehmen?

Es ist deren Erziehung! Leute wie João Moura wachsen in einem Millieu auf, in dem die Traditionen aus der Feudalzeit stammen. Viehzüchter, Grossgrundbesitzer alter Landadel und weniger alter Geldadel (aus der Zeit des Faschismus), mit viel politischen Einfluss in den Kreisen der lissabonner Machteliten – heute meist in den Mitterechtsparteien PSD, CDS oder gar bei den Extremisten (CHEGA – Neofaschisten + IL – Neoliberale) anzutreffen – verdienen mit ihrer Tierquälerrei jede Menge Geld.

Unter dem Deckmantel des „kulturellen Erbes“, der „Bewahrung von Traditionen“ und sogar des „Artenschutzes“ (die Stiere für die Arena sind eine eigens für den Stierkampf gezüchtete Rasse), wird viel Geld verdient. Ein Pay-TV Sender „Toiros“ ist ja schlimm genug aber, wenn das staatliche Fernsehen RTP immer noch eine eigene Veranstalltung (auf portugiesisch „Corrida“) sponsert, dann ist dies der Gipfel des Anachronismus „Stierkampf“.

Die Hunderennen sind hier – genau wie die Jagd als „Sport“ – nur ein weiteres Symptom. Die Tierquälerrei muss ein Ende haben und die Gesetze, die Tieren in der Theorie eigene Rechte verleihen und das Verbot Tieren „unnötiges Leid“ zuzufügen, muss in der Praxis umgesetzt werden. Deshalb schaut ganz Portugal auf den Prozess, bei dem es nicht um irgendeinen vermeintlichen „Psycho“ geht, sondern um einen Prominenten vermeintlichen „Psycho“.

 

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