LKW Fahrer legen Brasilien lahm. Vampir-Preise für Erdöl

LKW-Streik und Blockade – screenshot YouTube
Ein unparteiischer Streik lässt Brasilien zittern.
Noel Nascimento – 27. Mai 2018
Seit einer Woche streiken drei Millionen LKW Fahrer in Brasilien und legen praktisch sämtliche Autobahnen lahm. Das Resultat ist der Mangel an Versorgung für die gesamte Bevölkerung. Die überwiegende Mehrheit der Menschen steht auf der Seite der Streikenden, trotz ihrer Folgen. Nur wenige Reiche sind dagegen und verteidigen die Politik der Anpassung an internationale „Marktpreise“ für Benzin und Diesel.
Die Regierung des Präsidenten Michel Temer, bekannt als der Vampir, betreibt eine blutsaugende Politik. Die Benzin- und Erdölpreise sollen nicht mehr subventioniert und somit an die internationalen Marktpreise angeglichen werden. Dadurch wird Brasilien eines der teuersten Länder der Welt, wobei ein drittel seiner Bevölkerung unter der Linie der Armutsgrenze lebt, wenn man es mit europäischen Verhältnissen vergleicht. Etwa ein Zehntel der Menschen, zirka zwanzig Millionen – das entspricht der Einwohnerzahl Österreichs und der Schweiz zusammen – lebt in der Misere. Seitdem die Benzinpreise in den fünfziger Jahren anstiegen hat Brasilien nicht mehr Benzin- und Ölpreise praktiziert die dem internationalen Ölpreis angepasst waren. Auch zur Zeit der Militärs nicht.
Die Vorgeschichte.
Als die Militärs durch einen Staatsputsch im Jahre 1964 die Macht übernahmen, mit der Begründung, den kubanischen Sozialismus nicht ausbreiten zu lassen, wie in fast ganz Lateinamerika, setzte eine Politik der nationalen Integration ein, die ihrerseits wegen der Rückständigkeit des Landes bezüglich der inneren Verbindungen, nicht ganz falsch war. Sie bauten überall in den fortschreitenden Industrie- und Ballungsgebieten Autobahnen und asphaltierte Straßen die dem Land eine bessere Transportstruktur ermöglichten, die zum Export von Landwirtschaftsprodukten wie Kaffee, Soja, Mais, Fleisch und vielen anderen dienten.
Die Militärs holten damit die großen multinationalen Konzerne der Automobilindustrie, Ölgesellschaften, sowie Kautschuk- und Reifenhersteller ins Land, die fortan ihre Interessen geltend machten. Die eigene Ölgesellschaft stand noch am Anfang und wurde nie vollkommen mit der Verarbeitung der eigenen Ölproduktion konkurrenzfähig, obwohl die Bohrinseln der brasilianischen Petrobras fast das doppelte des eigenen Verbrauchs aus der Tiefe des Meeres holten. Die Raffinerien waren nicht ausreichend und nicht modern genug, und das Öl musste im Ausland verarbeitet werden. Die Technologien blieben unerschwinglich und die Kredite für die nicht ausreichenden Raffinerien führten zu einer katastrophalen Auslandsverschuldung. Sie ließen außerdem die italienische FIAT die inländische LKW Fabrik FNM (Fabrica Nacional de Motores) aufkaufen und schließen. Die riesigen LKWs waren für die vorigen Landstraßen geeignet, für moderne Autobahnen aber zu schwer. Das der Asphalt selbst in der Hitze leichter schmilzt kam nicht zu Wort.
Zusätzlich ließen sich die Militärs auf das Gerede der multinationalen Konzerne ein. Das nicht unbeträchtliche Eisenbahnnetz wurde vernachlässigt und allmählich verschrottet. Autobahnen bauen wäre billiger und es würde schnell Gewinne einbringen und sich schneller anfertigen. Brasiliens Eisenbahnen sind heute Schrott und dienen fast ausschließlich Monsanto, Bünge, Cargil und Aliburton, die praktisch alle Lagermöglichkeiten in Nähe der großen Haffenstädte an der Küste innehalten. Das Eisenbahnen größeren Kostenaufwand betragen aber mit der Zeit weniger instandhaltungsbedürftig sind, davon war auch nicht die Rede.
Mit dieser Wirklichkeit steht heute Brasilien mit dem Rücken zur Wand und die Regierung des Weltbekannten Vampirs Michel Temer wird dadurch erpresst.
Leiden tun jetzt alle. Supermärkte die noch Lebensmittel zur Verfügung haben erhöhen die Preise ins Unermessliche und Tankstellen verlangen von verzweifelten PKW-Fahrern die teuersten Preise der Welt, sogar in Ratenzahlungen!
Die Folgen:
Michel Temers Truppe, die längst als räuberische Mafia sogar von konservativen Medien ertappt und erkannt wurde, ist offenbar für eine Weltelite die im Lande von untertänigen Vassalen vertreten wird, weiterhin interessant und hält sich an der Macht. Man hätte keine Wahl, als ihn bis zu den nächsten Wahlen in kommenden November zu ertragen, so die allgemeine Auffassung. Jede andere Möglichkeit kann schlimmer werden. Während dessen betreibt seine Regierung alles im Sinne der neoliberalen Politik, wie ebenfalls die Zerstörung sozialer Politik und der Arbeiterrechte.
Lula da Silva, der populärste Präsident Brasiliens der letzten achtzig Jahre ist inhaftiert. Korruptionslos war seine Regierung keinesfalls, sogar das Gegenteil. Andere, die jedoch wesentlich mafiöser, räuberischer und sogar mörderischer sind, befinden sich auf freiem Fuß und werden aufgrund ihrer außerordentlichen Parlamentarierrechten niemals zur Rechenschaft gezogen. Die dafür zuständige Richterkammern fühlen sich nicht dazu genötigt und haben keine Eile, wenn es Prozesse überhaupt mal geben wird.
Der Vampir droht nach fünf Tagen die LKW Fahrer mit Einsatz des Militärs, die ihrerseits sich nicht besonders dazu berufen fühlen, dem Vampir in einem Putsch zu folgen, auch wenn dieser es so gern hätte, da sie in ihm den Vize von Dilma Rousseff sehen, der einerseits ihr Alliierter und der der Sozialisten war, was auch nicht gerade für sie spricht. Andererseits, verbirgt sich in allem ausgerechnet in Brasilien immer die Gefahr, dass die Militärs auf eigene Faust handeln um dem Chaos ein Ende zu machen. Was sie dann (!) danach tun ist die Frage. Ungewiss!
Meinerseits, und von einigen anderen die Vorsicht anmahnen, bleibt die Hoffnung dass Lula aus seiner ungerechten Inhaftierung die Großzügigkeit besäße, dem Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Arbeiter Partei, Ciro Gomes, zu unterstützen und von seiner für alle Linken – gemäßigten oder nicht – halsbrecherischen und selbstverherrlichenden, unbeholfenen Kandidatur absieht. Kennt man Lulas Persönlichkeit, scheint dies in weite Ferne gerückt zu sein. Ich oder gar nichts. Seine Popularität und Eitelkeit sind gleichermaßen inzwischen problematisch, wenn auch verständlich. Unterstützt Lula den authentischen Sozialdemokraten Ciro Gomes, gibt er dem Land eine Richtung indem seine Wähler einem gemäßigtem Politiker mit unbefleckten Lebenslauf folgen. Es bleibt die Frage, ob er es tut oder nicht. Das Land ins Chaos zu stürtzen um ein Machtprojekt auf Kosten aller durchzusetzen, mag das der Weg sein? Oder der Wirklichkeit ins Auge sehen? Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Dies alles, als wären die Benzin- und Ölpreise in den USA (US $2,00 für ein Galon = 3,8 Liter) nicht billiger als im Rest der Welt.

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