Krieg in Venezuela? Boltons Notiz „5.000 Soldaten nach Kolumbien“ sorgt für wilde Spekulationen

John Bolton mit Spickzettel - Bild von Gage Skidmore bei Flickr.com CC BY-SA 2.0

Der US-Sicherheitsberater, John Bolton, schrieb in seinem Notizbuch „5.000 Militär für Kolumbien“ während eines Interviews im Weißen Haus zur Krise in Venezuela, bei der ein Embargo von Ressourcen der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA angekündigt wurde. Jetzt spekulieren Medien aus aller Welt was dahinter steckt.
Rui Filipe Gutschmidt – 30. Januar 2019
In einer Vergrößerung von Fotos, die von verschiedenen Medien während des Interviews aufgenommen wurden, sind zwei Inschriften in Boltons Notizbuch zu sehen.
Die erste besagt: „Afghanistan, willkommene Friedensverhandlungen mit den Taliban“.
Die zweite bezieht sich auf Venezuela und besagt: „5.000 Soldaten nach Kolumbien“.
Obwohl Bolton während des Interviews nichts von dieser hypothetischen Entsendung von Soldaten nach Kolumbien an die Grenze zu Venezuela erwähnte, forderte er das venezolanische Militär auf, Guaidó zu unterstützen. Zumindest kann man davon ausgehen, dass die 5.000 US-Soldaten in Kolumbien stationiert werden sollen, um in Venezuela eingreifen zu können. Schließlich ging es auf der Pressekonferenz um das Land, das aktuell im Fadenkreuz des US-Imperiums ist.
In der vergangenen Woche, als sich der Vorsitzende der venezolanischen Nationalversammlung Juan Guaidó eigenmächtig zum Interimspräsident ernannte, sagte US-Präsident Donald Trump, nachdem die USA Guaidó als Staatschef bis zu den geforderten Neuwahlen anerkannten, dass „alle Optionen offen seien“. Nach dem Satz in Boltons Notizblock gefragt, wiederholte das Weiße Haus die Aussage von Trump, machte jedoch keine weiteren Kommentare.
 
Warum Kolumbien?
Kolumbien ist einer der wichtigsten Verbündeten der USA in Lateinamerika, und die Regierung des Landes, das als Zentrum des Kokainhandels zu trauriger Berühmtheit kam, erkannte Juan Guaidó auch als legitimen Präsidenten Venezuelas an.
Der kolumbianische Außenminister Carlos Holmes Trujillo sagte, dass die Regierung seines Landes keine Informationen zu Boltons Notiz habe.
„In Bezug auf die Erwähnung Kolumbiens in dem Notizbuch, das John Bolton in der Hand hatte, sind Umfang und Grund für diese Notiz unbekannt“, sagte Trujillo weiter und fuhr fort, „Kolumbien wird weiterhin einen ständigen Dialog mit den Vereinigten Staaten in allen Fragen von gemeinsamem Interesse führen und mit dieser befreundeten Nation in bilateralen, regionalen und globalen Fragen zusammenarbeiten.“
In Bezug auf Venezuela sagte der kolumbianische Außenminister, dass das Land „weiterhin politisch und diplomatisch handeln werde, um die Voraussetzungen für einen Wahlprozess zu schaffen, die die demokratische und institutionelle Ordnung in diesem Land wiederherstellen.“

US-Sicherheitsberater John Bolton mit Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro – Bolton sucht Verbündete gegen Venezuelas Präsident Nicolas Maduro

 
Weitere Stimmen:
Jair Bolsonaro, der neue Präsident Brasiliens, der rechtsextreme Ansichten und einen fanatischen Antikommunismus/Sozialismus vertritt, hat ebenfalls schon den selbsternannten Interimspräsidenten Guaidó als legitimen Vertreter Venezuelas anerkannt. Er hatte sich schon im Wahlkampf klar gegen Nicolas Maduro ausgesprochen.
Die EU ist offiziell für Neuwahlen und hatte dem gewählten Präsidenten des Landes ein Ultimatum für Neuwahlen gesetzt. Da der venezolanische Präsident Nicolas Maduro dieses Ultimatum an eine eigenständige Regierung als illegale Einmischung in die internen Angelegenheiten seines Landes ansieht, lehnte er das Ultimatum ab. Die Europäer werden jetzt entscheiden, ob sie ihre Drohung wahr machen und ebenfalls Juan Guaidó als legitimen Interimspräsidenten anerkennen. Maduro forderte die Staaten der EU dazu auf, sich nicht zum Instrument des US-Imperialismus machen zu lassen.
Doch es gibt auch Regierungen, die weiter Nicolas Maduro als einzigen legitimen Präsidenten der Republik Venezuela anerkennen. Neben dem sozialistischen Bruderstaat Kuba, haben sich auch China, Mexiko und vor allem Russland hinter Maduro gestellt. Die Russen gaben zu bedenken, dass ausgerechnet die USA, die Vladimir Putins Regierung vorwerfen sich in die Wahlprozesse und interne politischen Angelegenheiten anderer Länder (USA, Frankreich und natürlich Ukraine) einzumischen, sich selbst in den internen politischen Machtkampf Venezuelas einmischt.
Und tatsächlich sind die Geschehnisse in Venezuela eine Einmischung in die internen politischen Prozesse des Landes. Die ganze Misere in dem Land mit den größten Ölreserven der Welt ist vor allem auf Embargos und wirtschaftliche Sanktionen gegen das Land, den Verfall des Ölpreises und die Weltweite Krise (die in den USA begann) zurückzuführen. Maduros Inkompetenz, Korruption und Vetternwirtschaft haben dafür gesorgt, dass es in Venezuela besonders schlimm wurde. Doch statt zu helfen, sorgten die USA für immer mehr Probleme, denn sie wollen einen Regimechange und eine Regierung die ihnen das Öl des Landes auf einem Silbertablett serviert. Boltons Notiz lässt darauf schließen, dass Donald Trump kein Problem damit hat, US-Soldaten einzusetzen und Venezuela zu einem südamerikanischen Irak zu machen. Krieg ist also durchaus eingeplant und die öffentliche Meinung im Westen scheint dies durchaus zu akzeptieren. Ich nicht!
 
 
 

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